Ysperklamm/Kaltenberg:
Auf den Spuren der Druiden
Denkt man an das südliche Waldviertel, fallen einem neben großflächigen Forstgebieten natürlich die Findlinge, oft gewaltige Granitfelsblöcke, ein. Aber in dem im Westen von Niederösterreich und nördlich der Donau gelegenen Gebiet gibt es westlich vom Kaltenberg (1.004 m, Abb.1) mit der Ysperklamm auch ein imposantes Naturdenkmal. 2017 ging man als niederösterreichischer Landessieger bei der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ ins Rennen und errang im österreichweiten Wettbewerb den ehrenvollen dritten Platz! Beim nachfolgenden Wandertipp verbinden wir die Durchquerung der Ysperklamm Richtung Norden mit dem Richtung Süden verlaufenden Druidenweg, der vorbei an dutzenden massiven Granitblöcken über die Waldhänge des Kaltenbergs führt. Ein großartiges Erlebnis für Groß und Klein, doch sollte man bei dieser längeren, technisch unschwierigen Tour trittsicher sein. Bei Nässe raten wir davon ab, die an vielen Stellen sehr steile Klamm, für die man ein geringes Eintrittsgeld bezahlen muss, zu betreten! Noch ein Hinweis: Unsere Tour ist durchgängig sehr gut mit Wegtafeln mit der Nummer 31 (Druidenweg) gekennzeichnet!
Nachdem man am Ende der Zufahrtsstraße im Ticketshop (551 m, Abb. 2) seine Eintrittskarte besorgt hat, geht es mit wenigen Schritten vorbei am GH Forellenhof (Abb. 3), der einzigen Einkehrmöglichkeit während dieser Tour, zum Eingang der Ysperklamm. Nach einer S-Kurve erreicht man die Klamm. Im ersten Teil wandert man durchgängig rechts der rauschenden Großen Ysper – obwohl es auch hier zeitweise eng an Granitblöcken (Abb. 4) vorbeigeht – zunächst ziemlich bequem taleinwärts. Kurz darauf erreicht man erstmals die stets mit Geländer gesicherten Stufen (Abb. 5) – teilweise aus Holz und immer wieder aus gehauenem Stein. Nach etwa 30–35 Minuten hat man ungefähr die Mitte der Klamm erreicht. Hier könnte man links über eine Brücke über den einfachen Abstiegsweg, der an dieser Stelle die Klamm quert, die Klamm verlassen. Denn der obere Teil der Klamm ist um einiges steiler. Die zu überwindenden Stufenanlagen werden ebenfalls steiler und länger. Dies gilt auch knapp vor einer Brücke (Abb. 6), auf der wir von der rechten auf die linke Seite der Großen Ysper wechseln. Im oberen Teil der Ysperklamm gibt es viele kleinere und größere Wasserfälle (Abb. 7). Nachdem man nach kurzer Zeit über eine zweite Brücke wieder auf die rechte Bachseite gewechselt ist, nähert man sich langsam und nur mehr leicht ansteigend auf einem Steig dem Ausgang der Ysperklamm. In ungefähr 1¼–1½ Stunden hat man auf ca. 2,0 km Wegstrecke fast 300 Hm bewältigt. Nochmals die Warnung: Man muss trittsicher sein und sollte bei nassen Bodenverhältnissen die Klamm meiden!
Nach diesem großartigen Naturerlebnis steht man auf einem größeren Platz vor einer Infohütte (ca. 825 m, Abb. 8) und muss entscheiden, wie man seine Wanderung fortsetzt. Am schnellsten und einfachsten ist es, wenn man auf dem breiten Forstweg parallel zur Klamm Richtung Süden in weniger als einer Stunde zum GH Forellenhof zurückkehrt. Wir aber wollen die bereits erfolgte Durchquerung der Ysperklamm mit dem Druidenweg verbinden. Diese Wegbezeichnung weist darauf hin, dass es bereits zu Urzeiten in diesem Gebiet „geheimnisvolle“ Besiedlung gegeben hat. Wir wandern auf der querenden Forststraße, uns links haltend, rund 5–10 Minuten fast eben Richtung Norden bis zu einer größeren Lichtung. Dort zweigt rechts im spitzen Winkel ein Forstweg ab, der nun – wieder im Waldgebiet – umgeben von vielen kleineren und größeren Granitblöcken (Abb. 9) ansteigt. Auf breitem Weg eben und kurz auf einem Steig geht es leicht absteigend weiter, dann öffnet sich das Gelände und es gibt erste, noch von Sträuchern beeinträchtigte Aussichtsplätze. Kurz durch ein Waldstück ab- und dann aufwärts, gelangen wir nach etwa 30–35 Minuten vom Ausgang der Klamm zu einer Forststraße, in die wir links einbiegen. Erneut etwas steiler ansteigend erfreut man sich im offenen Gelände Richtung Süden (Abb. 10) am Blick in das Yspertal talauswärts mit den niederösterreichischen Alpen im Hintergrund. Nach ca. 15 Minuten auf der Forststraße steht man vor einem weiteren Naturdenkmal, der Granitformation „Phallus und Vulva“ (Abb. 11).
Jetzt auf breitem Weg kontinuierlich Richtung Osten aufwärts und die nächste Forststraße querend, kommt man nach einer Rechtswendung zu einer größeren, flachen Lichtung (Abb. 12) und nach ein paar Metern Richtung Süden zu einem Rastplatz. Wer Lust hat, kann hier mit wenigen Schritten halbrechts etwas unterhalb den „Sitzenden Hund“ besuchen. Wir halten uns links und steigen auf einem steilen Steig – stets gut mit der Nr. 31 beschildert und umgeben von weiteren Granitfelsformationen – zu einer im Wald liegenden Ebene auf. Links von uns erreichen wir in einer Gruppe von Granitblöcken mit 971 m den höchsten Punkt unserer Rundtour (Abb. 13), den man auch als „Südgipfel“ des Kaltenbergs bezeichnen könnte. Nach einem kurzen ebenen Stück kommen wir zum nächsten Naturdenkmal, dem „Druidentreffpunkt“ (Abb. 14), einem gut geeigneten Platz für eine Rast. Für unseren bisherigen Aufstieg haben wir rund 2½–2¾ Stunden benötigt, in denen wir mit kleineren Gegensteigungen rund 450 Hm bewältigt haben.
Ab jetzt geht es abwärts, teilweise recht steil und auf einem spannenden, interessant trassierten Steig mitten durch die Felsformationen. Dabei kommen wir auch zur „Großen Schale“ (Abb. 15), die angeblich immer mit Wasser gefüllt ist. Nach rund 15 Minuten Abstieg quert man nicht mehr so steil auf einem breiten Weg nach links versetzt eine Forststraße, auf die man aber bald wieder zurückkehrt. Kurz abwärts gelangt man zu einem Sattel (ca. 875 m, Abb. 16). Der Druidenweg setzt sich geradeaus fort und führt steil einen Waldhang hinauf. Kurz nach einer gleich folgenden Weggabelung, bei der wir uns links halten, betreten wir den „Heiligen Bezirk“ (Abb. 17). Unser Steig windet sich genial um die sich vor uns auftürmenden Felswände und so erreichen wir nach der rechts von uns stehenden „Sphinx“ den Gipfelbereich des felsigen Böndel (922 m, Abb. 18), an dem wir links – etwas unterhalb – vorbeiwandern. Unser jetzt wieder breiter und kieseliger Sandweg führt sehr steil abwärts zu einer Wegteilung. Wer sich den steilen Aufstieg und noch steileren, oft etwas rutschigen Abstieg über den Böndel sparen will, kann beim vorhergehenden Sattel bequem links an der Erhebung vorbeigehen. Dabei spart man nicht nur Kräfte, sondern auch Zeit.
Bei der nun erreichten Wegteilung, zu der man über den Böndel nach etwa 35–40 Minuten vom „Druidentreffpunkt“ gelangt, muss man die weitere Abstiegsroute wählen: Die technisch schwierigere Variante führt rechts über felsiges Gebiet in rund 10 Minuten zum Kaltenbergkreuz (ca. 850 m, Abb. 19), von dem man eine sehr schöne Aussicht Richtung Süden (Abb. 20) genießt, und dann sehr steil – teilweise mit Sicherungen und Leitern (Abb. 21) – ins Tal. Alternativ kann man – und das empfehlen wir – über breitere Wege links von der Wegteilung absteigen. Ergänzend könnte man zum Kaltenbergkreuz wandern und anschließend zur Wegteilung zurückkehren (ca. 15–20 Minuten).
Da wir uns für die leichtere Variante entschieden haben, marschieren wir links Richtung Nordosten den breiten Weg hinunter, queren zweimal eine Forststraße und setzen unseren Abstieg auf einem schönen Waldweg Richtung Süden fort. Nach ca. 10–15 Minuten mündet dieser erneut in die Forststraße, die weit ausholend abwärtsführt. Vor uns wird im offenen Gelände unser Nachbarberg, der Ostrong (1.061 m, Abb. 22), mit dem Großen und Kleinen Peilstein sichtbar. Auf der Forststraße geht es kontinuierlich abwärts: Vor uns öffnet sich Richtung Süden (Abb. 23) der Blick in das Yspertal talauswärts mit den niederösterreichischen Alpen im Hintergrund. Nach 1,0–1¼ Stunden vom „Druidentreffpunkt“ mündet die bald schon asphaltierte Forststraße in eine Landstraße, in die wir rechts einbiegen, die wir aber nach rund 100 m bei einem Kruzifix rechts wieder verlassen. Auf einer asphaltierten Zufahrtsstraße wandern wir jetzt leicht ansteigend vorbei an Häusern und Höfen eine Zeit lang Richtung Westen (Abb. 24). Nach ungefähr 15 Minuten mündet von rechts der schwierigere Abstiegsweg, mit dem sich rund 10-15 Minuten einsparen lassen, in unseren ein. Nach einer Rechtskurve verlassen wir die links führende asphaltierte Zufahrtsstraße und wandern am Rand einer Wiese auf einem Pfad Richtung Norden (Abb. 25) unseren Ausgangspunkt entgegen. Vorbei an einem Wohnhaus mündet unser Wanderweg nach einer Brücke über die Große Ysper in die Landstraße, die zum Eingang der Ysperklamm führt und in die wir rechts einbiegen. Jetzt sind es noch 5–10 Minuten erneut leicht ansteigend – nochmals die Große Ysper über eine Brücke querend – auf der Landstraße, bis wir unseren Ausgangspunkt erreichen. Für den gesamten Abstieg vom „Druidentreffpunkt“ inklusive Gegensteigung auf den Böndel haben wir je nach Wegvariante etwa 1¾–2,0 Stunden benötigt.
Geogr. Länge/Breite: 15°03‘38‘‘/48°20‘20‘‘
Rechtswert (UTM): 504484 m (Zone: 33 N)
Hochwert (UTM): 5353978 m (Zone: 33 N)
